Neulich las ich in einer Zeitschrift einen Artikel über Menschen, die Andere durch ihre einnehmende Art einfach nur aussaugen. In den Gesprächen dreht es sich immer nur um sie, ihre Probleme und ihre Gedanken, es kommt selten bis nie ein Dankeschön und am Ende des Tages fühlt man sich wie nach einem Marathon, ausgelaugt und völlig ausgepowert. Am Ende des Artikels angekommen dachte ich: Ja, so etwas kennst du auch. Und leider manchmal zur Genüge. In der Hoffnung, dass die Themen ja nun mal ausgeredet sein müssten, trifft man sich wieder und es kommen wieder die gleichen Themen auf den Tisch, wieder und wieder und irgendwann will man keine Ratschläge mehr geben, sondern nur noch flüchten. Wenn die Flucht dann nicht funktioniert, dann hilft nur noch eins. Auf den Tisch hauen und dem Gegenüber nach Möglichkeit höflich, aber doch eindringlich sagen, dass das so nicht geht und dass man Selbst nicht die Funktionsweise eines Mülleimers ausübt. Man selbst will ja auch mal etwas loswerden, oder nicht? Sollten Freundschaften nicht in beide Richtungen funktionieren? Sollten nicht beide Parteien die Möglichkeit haben, sich beim Anderen einmal auszuschütten?
Ich habe viel über diesen Artikel nachgedacht. Wenn eine Freundschaft nur einseitig funktioniert, wenn der Andere nur anruft, wenn er ein Problem hat, aber für einen Selbst nicht zur Verfügung steht, ist das dann überhaupt Freundschaft? Was ist, wenn der Andere nicht versteht, dass das eigene Leben sich nicht um ihn, sondern um einen Selbst dreht? Wenn der Andere ein klares Nein nicht akzeptieren will und dann beleidigt abzieht? Sollte man sich in einer Freundschaft verbiegen, damit es dem Anderen besser geht? Nein, ich denke nicht. Zum Einen denke ich, dass Freundschaft so nicht funktioniert und zum Anderen denke ich, dass man sich in einer Freundschaft nicht verlieren darf. Gegenseitigkeit ist hier der Schlüssel. Wenn das nicht geht, sollte man sich sehr wohl einmal Gedanken machen.
Ich kenne nun aber auch das Gegenteil. Ich habe eine Freundin mit der ich stundenlang Telefonieren kann und wir haben uns immer was zu sagen. Mal meldet sie sich und mal ich. Mal ist die Kommunikation intensiver und mal hören wir auch zwei Wochen nichts voneinander. Das ist auch in Ordnung so. Manchmal merken wir gar nicht, dass schon wieder eine Woche vergangen ist. Und manchmal können wir beide den nächsten Tag nicht abwarten und schreiben uns nachts noch schnell ein paar Nachrichten. Die Infos könnten ja schlecht werden ;-)
Doch diese Woche ist es anders. Wir reden sonst über Gott und die Welt, aber nicht diese Woche. Ihr geht es nicht gut. Ich ahne warum, doch weiß ich es nicht genau, da sie nur einmal geschrieben hat, um mir zu sagen, dass sie sich nach dem Sortieren ihrer Gedanken wieder meldet. Klingt ja prinzipiell gut und ich habe auch Verständnis, denn jeder hat das Recht auch mal mit seinen Gedanken und Sorgen allein zu sein, doch frage ich mich...
Ich habe ihr heute eine sonnige Nachricht geschickt. Ganz unverfänglich und ohne Hintergedanken. Ich möchte, dass sie weiß, dass ich an sie denke, und dass das der Grund für ihr allabendliches Ohrenklingeln ist ;-) Ich möchte, dass sie weiß, dass ich immer und jederzeit für sie da bin.