Als ich vergangenen Donnerstag während der Zugfahrt zu meinen Eltern im Netz schnökerte, las ich seit längerem mal wieder die Beiträge einer amerikanischen Bloggerin () und mir verschlug es nicht nur die Sprache, sondern wirklich den Atem. Ende zwanzig Anfang 30, fünf Kinder, schwanger mit dem sechsten, super Familie, Haus, Job, alles was Frau sich so erträumt hat und dann ein Schlag ins Gesicht. Ihr Mann hat Krebs. Hautkrebs. Stadium 4. Und als wäre das nicht schon schlimm genug hat er auch noch in Leber und Gehirn gestreut. Wie soll damit nur umgehen? Lebenserwartung von fünf Jahren. Wie soll man damit nur leben?
Anfang Januar war ich zu einer Routineuntersuchung beim Frauenarzt. Jede Frau kennt die Frage nach eventuellen Beschwerden. In der Regel wird dann wie folgt geantwortet: "Naja, es zwickt und zwackt mal, aber das kann ja schon mal sein." So also auch meine Antwort. Als meine Ärztin mich während der Untersuchung noch einmal fragte, wurde ich etwas unruhig. Tja, und was soll ich sagen? Das Zwicken und Zwacken ist nicht mal eben so, weil Frau schief steht, lange sitzt oder einfach einen schlechten Tag hat. Nein, es hat tatsächlich einen Grund. Ich habe ein Myom. Grundsätzlich ist das kein Todesurteil, allerdings hatte ich nach meiner Migräne-Diagnose, nach der Collitis- und Morbus-Chron-Diagnose und dem 1,7cm großen Knoten in meiner rechten Brust gedacht, dass das Maß voll ist. Reicht das nicht langsam mal? Jede Seitenstrangangina und jede noch so unwichtige Erkältung hält bei mir Einzug und legt mich für Wochen flach. Jeder Wetterumschwung und jede noch so kleine Nahrungsmittelempfindlichkeit schlägt bei mir zu Buche, so dass ich gefühlt immer krank bin. Jeden Tag habe ich irgendein Wehwehchen oder Zipperlein. Natürlich ist es enorm beruhigend, dass ich mir das ganze nicht einbilde, aber nervend ist es schon. Nun also noch etwas. Etwas neues. Etwas unbekanntes. Etwas was mein Leben durchaus noch anstrengender machen wird.
Ich weiß, dass jede Frau mindestens eine andere Frau kennt, die ein Myom hat. Und ich weiß auch, dass man mit eben solchem Myom gut leben kann. Doch erst einmal handelt es sich um einen Tumor. Um einen gutartigen, aber Tumor bleibt nunmal Tumor. Ich werde in ein paar Monaten dreißig und fühle mich seit Wochen, seit Monaten um Jahrzehnte älter.
Ich rief an jenem Tag im Januar meinen Mann an und er kam umgehend nach Hause. Normalerweise reißen mir Botschaften solcher Art nicht den Boden unter den Füßen weg, doch dieses Mal war es anders. Liegt es daran, dass ich älter werde und mir jeden Tag bewusst wird wie viel Glück ich mit meinem Mann habe und wie viel Zeit ich mit ihm noch verbringen möchte, wie viele Dinge ich mit ihm noch erleben möchte? Oder liegt es daran, dass ich damit in keinster Weise gerechnet habe? Natürlich habe ich Schmerzen. Aber die habe ich jeden Tag. Was macht es da also für einen Unterschied? Ich habe mich so daran gewöhnt, dass es für mich vollkommen normal ist. Ich nehme kaum Medikamente, mache Sport so gut es geht und versuche mit Hilfe von gesunder Ernährung, viel Lachen und der bedingslosen Unterstützung meines Mr. Rights so gut es geht zu leben. Und es funktioniert sehr gut. Aber das?
Ich habe stundenlang geheult. Als mein Mann nach vier Stunden Fahrt ankam, war ich völlig hinüber. Ich heulte immer noch und hatte zu meinem Entsetzen nicht gemerkt, dass ich den einen oder anderen Whisky getrunken hatte.
Ich weiß, dass meine Welt nicht untergeht, nur weil irgendetwas in meinem Körper der Meinung ist, dass Wachsen und Aufmerksamkeit haschen das größte Gut ist. Meine Welt besteht aus viel Lachen, Freude und Zuversicht, Familie und FreundeN, und natürlich aus meinen geliebten Eltern und meinem bewundernswerten Ehemann. Danke für Euren Rückhalt und Eure Stütze, ich habe Euch sehr lieb!!!
Ich wünsche Emily, ihrem Mann und ihrer Familie alles Gute. Ohne arrogant klingen zu wollen, kann ich ihre Ohnmacht nachempfinden und kann nur hoffen, dass sie diese Zeit überstehen werden und dass alles wieder gut wird.
Vielen Dank für's Vorbeischauen.
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